Tag 1
Tag 1
Anreise
Endlich ging es los. Nachdem wir zwei Tage vor den Hinflügen die Koffer packten, fing der Anreisetag bei uns um 2 Uhr morgens an. Es war ein Montag Morgen. Mit dem Auto mussten wir von der Nordseeküste zum Flughafen nach Hamburg. Ein paar Kilometer vom Flughafen entfernt parkten wir unser Auto und wurden mit einem Shuttlebus zum Flughafen gebracht. Ein entfernter Parkplatz mit Shuttlebus ist bis zu 80% günstiger als die Parkhäuser am Flughafen. Der Fahrer war sichtlich genervt und hielt uns scheinbar für blöde, denn er erklärte uns gefühlte 15 mal, wo er uns rauslässt und wo er uns bei unserer Rückreise wieder abholt.
Am Flughafen angekommen, mussten wir erstmal schauen, dass wir uns zurechtfinden. Irgendwie ist es ja an jedem Flughafen gleich, und doch so verschieden. Naja, ab durch die Sicherheitskontrollen, bei denen unserer Stativ scheinbar unangenehm aufgefallen ist und rein in den ersten Flieger nach München. Ich bin 1,90m groß. Viel zu groß, um einigermaßen komfortabel in den Sardinenbüchsen auf Kurzstrecken zu sitzen. Egal, bis München ging es ja fix. Genauso lange wie der Flug hat es dann auch in München gedauert, das Terminal zu wechseln, um den Anschlussflug zu erwischen. Das Zeitfenster war knapp und kurz vor dem Gate mussten wir zur Passkontrolle und ein kleines Vorinterview machen. Mit Gratisfutter und -trinken, ging es endlich los nach New York City – fast, denn unser Zielflughafen liegt in New Jersey.
In Newark angekommen brauchten wir nur noch durch die Sicherheitskontrollen, wieder war das Stativ böse und musste raus aus der Tasche, durch die Passkontrolle und noch ein kleines Interview: Wo ist unser Reiseziel? Sind wir auf der Durchreise? Wo waren wir vorher? Was ist der Grund unserer Reise? Es wurden sogar Fingerabdrücke genommen. Das war schon sehr aufregend, denn zum ersten mal sprachen wir mir Menschen, deren Muttersprache Englisch ist. Ich war schon sehr nervös, als ich die Fragen des finster dreinblickenden Officers beantwortete.
Trotzdem verlief alles nach Plan und wir gingen weiter zum kostenlosen Air Train, der am Flughafen sämtliche Terminals mit einem Bahnhof verbindet. Für knapp 15 Dollar pro Person, zahlbar mit Kreditkarte und Bar, kann man von dort mit den NJ Transit direkt von New Jersey nach New York City fahren, und das sogar erstaunlich bequem. Hier muss man aber aufpassen. Wir wollten an der Penn Station in NYC aussteigen. Diese Station gibt es aber auch auf der Seite von New Jersey. Also, erst wenn man unter die Erde gefahren ist, auf die Ansage der Penn Station warten.
Jetzt war es fast geschafft. Raus aus dem Zug, durch den Bahnhof und ab nach oben auf die Straße.
Das erste mal wahrhaftig in New York
WOW !!! Ich habe schon viele, viele Bilder, Videos und Dokumentationen über New York City gesehen. Sogar die New Yorker Lokalnews habe ich aboniert. Trotzdem – als ich die Treppen aus der Penn Station hoch ging und dann auf die Straße trat, war das Gefühl atemberaubend. Ich war sehr glücklich. Der erste Schritt auf die Straßen New Yorks war also auf 7th Ave mit Blick in die W 32nd Street. Der Anblick war überwältigend. Ja, man könnte sagen, hey, es sind nur Autos, Staßen und Gebäude. Mag sein, und ich kann es auch nicht beschreiben oder erklären, aber es war doch alles anders und alles neu.
Vermutlich hätte ich noch stundenlang dort stehen können und diesen Anblick in mich aufsaugen können. Doch wir mussten ja noch zum Hotel. auch wenn man in New York wirklich erstaunlich gut überall mit der Metro, also der U-Bahn, hinkommt, gab es hier keine sinnvolle Verbindung zu unserem Hotel. Also Alternative blieb natürlich noch Taxi oder Uber, Fahrrad oder laufen. Es gibt wirklich viele Fahrradstationen in New York, aber wir entschlossen uns die 1,6 Kilometer zum Yotel zu laufen. Das ist kein Tippfehler, unser Hotel war das Yotel an der Ecke 42th und 10th. Ein Katzensprung zum Times Square. Der Check In ist dort übrigens komplett personallos. Alles läuft über Computer. Das Zimmer war klein, aber gemütlich und modern mit Blickrichtung Süden. Elektrisches Bett, TV, Dusche und WC. Sogar ein Bügelbrett und -eisen gab es dort. Am Kopfende des Bettes gab es USB-Anschlüsse. Anfang März braucht man es zwar nicht, aber eine Klimaanlage war auch vorhanden.
Wir hatten übrigens wirklich Glück mit dem Wetter, wenn man bedenkt, dass statisitisch der März in New York noch recht kalt ist und der regenreichste Monat im Jahr ist. Wir hatten teilweise bis zu 20 Grad Celsius.
Nun denn, wir waren zu diesem Zeitpunkt, also als wir im Hotel ankamen, bereits 19 Stunden unterwegs. Es war zwar erst 3 Uhr nachmittags NYC Ortszeit, aber durch die Zeitverschiebung kommen noch 6 Stunden oben drauf. Trotzdem stand noch ein wenig auf dem Plan. Zumindest einen ersten klitzekleinen Eindruck wollten wir uns verschaffen. Also packten wir unser Fotoequipment zusammen und zogen wir los zum Times Square. Wie gesagt, unser Hotel lag an der Ecke 42th und 10th. Der Weg war also kürzer als einen Kilometer.
Und schon an der 42th bekommt man, wie in ganz New York, viel zu sehen. Ich erwähnte bereits, dass alles irgendwie anders und neu wirkt. Und tatsächlich hat das bis zum Ende der Reise nicht nachgelassen. Normalerweise bin ich kein Fan von großen Städten. Sogar Wilhelmshaven, Oldenburg oder Dortmund ist mir schon viel zu viel, zuviel Stress und zu viele Menschen, die ich nicht leiden kann. Aber in New York, ja vermutlich überall in den Vereinigten Staaten, ist es irgendwie anders. Dort ist alles noch größer, noch mehr Menschen als irgendwo anders und der der Verkehr muss trotz vorhandener Ampelsysteme noch zusätzlich von den Cops geregelt werden, damit es überhaupt voran geht. Und trotzdem habe ich mich pudelwohl gefühlt. Alles war großartig. Jedes Auto, jedes Schlagloch und jeder Stranger, der einem begegnet. Selbst die nicht so schönen Ecken empfand ich nicht so abstoßend wie in Deutschland ganze Städte.
Wir schlenderten also Richtung Times Square, kamen an Metro Stationen, einer gigantischen Indoor Busstation und an berühmten Attraktionen wie Madame Tussauds und Ripley’s Believe It Or Not vorbei. Ja, ich weiß, das eine hat seine Wurzeln in England und das andere in den Niederlanden, aber so groß und pompös wie hier ist es wohl nirgends. Sogar der McDonalds direkt daneben sieht aus wie Broadway Theater. Wir waren übrigens in keinem dieser Geschäfte.
Und an der nächsten Ecke standen wir quasi auch schon direkt am Times Square. Dort ist es wirklich bunt. Wirklich viele, viele Anzeigetafeln und Monitore mit Werbung der größten Marken der Welt. Sogar nachts ist es hier beinahe taghell auf den Straßen. Menschen ohne Ende. Sehr aufregend. Große Marken haben hier auch ihre Läden. Auch Souvenierhändler gibt es hier ein paar. Da ich vorher oft gelesen und gesehen habe, dass man dort auf keinen Fall etwas kaufen, und Mitbringsel lieber in Chinatown besorgen soll, haben wir vorerst darauf verzichtet, diese Läden zu besuchen. Angeblich sollen am Times Square die Erinnerungsstücke besonders teuer sein. Was wir aber herausgefunden haben, erzähle ich an einem anderen Tag. Aber scheinbar ist es so, dass egal wo man Souveniers kaufen will, egal ob in China Town, Little Italy, auf der Straße an der Brooklyn Bridge oder am Times Square – das Sortiment ist stets das gleiche. Gleiche T-Shirts, gleiche Tassen, gleiche Kühlschrankmagnete. Und alles auch von den gleichen Herstellern.
Übrigens, unter der roten Treppe, also dahinter, kann man Musicalkarten bist zu 50% ergattern. Gesehen haben wir auch einige Betrüger. So zum Beispiel Leute, die ihre angeblich eigenen CDs verkaufen – diese sind aber meistens leer. Oder andere, die auf der Straße Tickets für Bus- oder Schiffstouren verkaufen wollen. Man kann in diesem Fall die Betrüger kaum nicht von den echten Mitarbeitern unterscheiden. Eine Jacke des entsprechenden Unternehmens ist jedenfalls kein Garant für Seriösität. An einem anderen Tag werden wir noch eine ziemlich gute Betrügerin kennenlernen. Aber das erzähle ich auch ein anderes mal. Zu erwähnen währen vielleicht noch die lustig verkleideten Typen aus der Sesamstraße oder Disney Figuren. Diese sind keine offiziellen Mitarbeiter und überreden die Touristen Fotos zu machen, und wollen am Ende sehr penetrant abkassieren. Ob gerechtfertigt oder nicht bleibt jedem selbst überlassen. Wir haben uns dagegen entschieden. Bei all diesen Leuten gilt. Einfach ignorieren und weitergehen.
Das Ende eines anstrengenen Tages
Die ersten Eindrücke dieser erstaunlichen und wundervollen Stadt waren schon sehr grandios. Aber wir hatten einige noch mehr oder weniger anstrengende, aber auch aufregende Tage vor uns.
Aber was wir jetzt hatten, war erstmal Hunger. Einen Riiieeesenhunger. Im Flugzeug wurden wir zwar verpflegt, aber mal ehrlich liebe United Airlines, lecker ist anders. Bei der Reiseplanung entdeckte ich einen Burgerladen namens Shake Shack, der auf dem Rückweg zum Hotel lag. Die Auswahl ist sehr überschaubar. Nur zwei verschiedene Burger, Shakes und Fritten in verschiedenen Variationen. Großartig. Ich hasse es, wenn ich vorher erstmal drei Stunden das Menü studieren muss und mich dann nicht entscheiden kann. Übrigens ist es dort auch nicht wirklich teuer. Der Burger war augenscheinlich nicht riesig, wir waren hinterher aber pappsatt. Ich war sehr aufgeregt, immerhin waren wir im Land der Burger und die Erwartungen dementsprechend hoch. Was soll ich sagen?, ich wurde nicht enttäuscht. Bis heute behaupte ich, dass dies der leckerste Burger war, den ich je gegessen habe. Und nein, da ist nicht tonnenweise Schnickschnack drauf, wie es hiesische Burgerschmieden gerne machen. Da ist das drauf, was auf einem Burger sein muss: Brot, Fleisch, Käse, Soße. Keine Ahnung, woran es liegt, aber es IST der beste Burger. Der kultivierte Leser wird sich jetzt vermutlich die Hände vor das Gesicht halten und uns in die unterkulinarische Schublade verbannen. Nun ja, so ist das halt, mit feinen Restaurants und 80 Dollar – Speisen kann man uns nicht locken. Erstens schmeckt dieses Schickimicki-Futter meist auch nicht besser, als der Pizza Slice für einen Dollar um die Ecke und zweitens sind wir „einfache Leute“ die auf „einfaches Essen“ stehen. Egal, wer auf Burger und Co steht, muss unbedingt zum Shake Shack!
Pappsatt schlenderten wir weiter Zum Hotel. Direkt neben dem Hotel befindet sich noch ein Supermarkt mit dem Namen Food Emporium. Ein kleiner Laden, vergleichbar mit früheren kleinen Rewe Filialen. Enge Gänge vollgepackt mit wirklich allem, was man braucht. Und wie sich später herausstellte auch wirklich lecker. Egal ob fertige Salate oder Kuchen aus dem Becher. Wir deckten uns dort noch mit Getränkedosen und Snacks ein, bezahlten mit der Kreditkarte an der Selbstbedienungskasse und gingen zum Hotel und hoch in unser Zimmer.
Wir waren wirklich fertig an dem Abend. Ich persönlich merkte das gar nicht so sehr, weil ich wirklich aufgeregt war. Das Bett war gemütlich, das Kopfende verstellbar und so schliefen wir zum ersten mal auf amerikanischen Boden ein, während uns das US-TV berieselte. Wahnsinn, ich bin wirklich in Amerika, wirklich in New York City…